Schloss Paretz

In seiner Schlichtheit einzigartig, wollte sich hier sein Bauherr, der preußische König Friedrich Wilhelm III. fühlen wie ein Privatmann .....(Mehr lesen.)

 

Der renommierte Berliner Baumeister und höchste preußische Baubeamte David Gilly (1748-1808) erbaute das Herrenhaus im Jahre 1797 für den späteren preußischen König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Luise. In dessen Auftrag gestaltete Gilly auch das gesamte Dorf neu und schuf damit eines der bedeutendsten Zeugnisse preußischer Landbaukunst. Das überaus schlichte Schloss diente dem Königspaar und seinen Kindern in den Jahren 1797 bis 1805 als Sommersitz. Nach dem Tode der erst 34jährigen Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz 1810 blieben die Wohnräume im Andenken an die Gemahlin Friedrich Wilhelms III. mehr als ein Jahrhundert unverändert.

 

Schloss Paretz

 

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss zum Lazarett umfunktioniert, dann von der Roten Armee besetzt. Die meisten Einrichtungsgegenstände fielen Plünderungen zum Opfer.

 

1947 wurden aus Sicherheitsgründen die kostbaren handgemalten und gedruckten Papiertapeten, die zumeist aus Berliner Manufakturen stammten, aus den königlichen Wohnräumen zur Aufbewahrung nach Potsdam ins Schloss Sanssouci gebracht. Diese Tapeten sollten später noch eine wesentliche Rolle spielen. 1948 wurde aus dem Herrenhaus die Bauernhochschule „Edwin Hoernle“, ab 1960 war hier die zentrale Verwaltung für die Tierzucht der DDR (VVB Tierzucht) untergebracht. Im Zuge der Umnutzung wurde das Schloss baulich erheblich verändert und dadurch seines Charakters und seiner Geschichte beraubt.

 

1996 erwarb das Land Brandenburg das Gebäude von der Treuhand GmbH und überließ es der Fachhochschule Potsdam zur Nutzung. Die Restaurierung des ehemals herrschaftlichen Hauses stand zu diesem Zeitpunkt nicht zur Disposition.

 

Der entscheidende Impuls für die Sanierung kam von der Berliner Kulturstifterin Ruth Cornelsen, die durch den Verein Historisches Paretz auf das Schicksal des Schlosses aufmerksam gemacht worden war. Sie stellte die Finanzmittel für die aufwendige Restaurierung der kostbaren Paretzer Papiertapeten in Aussicht, knüpfte ihre Spendenzusage aber an eine Bedingung: die wiederhergestellten Tapeten sollten an ihren Ursprungsort zurückkehren, nämlich an die Wände des Schlosses. Diesem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass Schloss Paretz ab 1999 originalgetreu wieder hergestellt wurde. 2001 wurde der frühklassizistische Bau als Schlossmuseum eröffnet. Im Jahr 2006 wurde in der restaurierten Schlossremise die Dauerausstellung ‚Kutschen, Schlitten und Sänften‘ eröffnet.

 

Über 69.000 Besucher besuchten 2010 die Ausstellung 'Luise. Die Kleider einer Königin' in den königlichen Wohnräumen des Herrenhauses.